Buffet oder Menü? Pflichtunterweisung ist Zuweisung, kein Angebot!
„Wir denken in Qualifizierung, nicht in Schulung!“ Diesen Satz schmetterte mir vor kurzem eine Qualitätsmanagerin in einem Gespräch entgegen. Ich musste lächeln. Warum? Weil dieser Satz den Nagel auf den Kopf trifft. Er zeigt, dass das Prinzip von Unterweisungen wirklich verstanden wurde.
Aber die Realität in deutschen Kliniken sieht leider oft anders aus. Als Beraterin für E-Learning werfe ich regelmäßig einen Blick hinter die Kulissen von Lernmanagementsystemen (LMS) und Lernstrategien und das irritiert mich immer wieder.
Das „Laissez-faire“ Problem im LMS
Stellen Sie sich vor, Sie haben eine riesige Belegschaft, kritische Prozesse und die Sicherheit von PatientInnen oder BewohnerInnen liegt in Ihren Händen. Und dann öffnen Sie das LMS und stellen fest: Niemandem wird etwas zugewiesen. Stattdessen werden Schulungen wie auf einem Marktplatz frei angeboten. Motto: „Schau mal rein, wenn du Zeit und Lust hast.
Selbstgesteuertes Lernen ist natürlich super für die persönliche Entfaltung. Aber bei Pflichtunterweisungen und sicherheitsrelevanten Themen?
Die harte Wahrheit: Was bringt uns eine aufgeblasene Statistik über Logins, wenn am Ende die Kompetenz fehlt?
Wir wissen alle: Präsenzveranstaltungen sind oft schlecht besucht, organisatorisch ein Albtraum und bei großen Mitarbeitergruppen kaum zu stemmen. Genau hier ist E-Learning der Retter in der Not. Die Idee ist ja eigentlich, Qualifizierung und Sicherheit in die Fläche zu bringen.
Aber „in die Fläche bringen“ bedeutet nicht, die Inhalte einfach nur irgendwo hochzuladen und zu hoffen, dass das Schicksal die Mitarbeiter dorthin führt. Wenn keine klare Zuweisung erfolgt, riskieren wir:
- Mangelnde Handlungssicherheit im Alltag
- Lücken in der Compliance
- Gefährdung der Patienten- oder Prozesssicherheit
Warum Unterweisungen kein „All-you-can-eat-Buffet“ sind
Ich vergleiche das gerne mit dem Essen. Ein Buffet ist toll, wenn man im Urlaub ist. Man pickt sich hier ein bisschen was raus, lässt das andere liegen. Aber eine fundierte Kompetenzentwicklung in einer kritischen Infrastruktur? Das ist ein Gänge-Menü.
Das Buffet: Unverbindlich, beliebig, oft bleibt das Wichtigste (das Gemüse/die Pflicht) liegen.
Das Menü: Kuratiert von Ihren Fachexperten. Es ist abgestimmt, reichhaltig und führt zu einem klaren Ziel: Kompetenz.
Fazit: Mut zur klaren Zuweisung
Pflichtunterweisungen sind unliebsam (alleine dieses Wort). Aber diese verpflichtenden und wiederkehrenden Veranstaltungen bieten das Fundament für unsere Sicherheit im täglichen Umgang miteinander und mit den Menschen, für die wir arbeiten.
Mein Appell: Hören Sie auf, lediglich Inhalte bereitzustellen. Sondern weisen Sie gezielt zu. Nutzen Sie Ihre Fachexperten, um „Lern-Menüs“ zu kreieren. Denn im Ernstfall zählt nicht, wie viele Kurse im Katalog stehen, sondern wie sicher sich Ihre Mitarbeitenden fühlen.
Autorin: Sarah Heibel | 17.07.2026