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Stressmanagement im Krankenhaus: So leiten Sie Ihr Team zu mehr Wohlbefinden

Pflegekräfte und Ärzte sind in ihrem Arbeitsalltag Situationen ausgesetzt, die zu chronischem Stress führen können. Ein Leiden, das viele Symptome zeigt, jedoch meist auf Eines hinausläuft: eine steigende Unzufriedenheit im Job. Für eine Arbeit, die außergewöhnlich viel Empathie fordert, kann dies verheerende Folgen haben. Neben dem steigenden Potential für Fehler, ist auch die starke Abnahme der Attraktivität des Berufs eine Auswirkung. Ein gelungenes Stressmanagement wird im Krankenhaus daher immer wichtiger.

Was wäre, wenn Fachkräfte zufrieden und ausgeglichen auf der Arbeit sein könnten? Wenn sie nicht mehr darüber nachdächten, bei der nächsten Konfliktsituation zu kündigen. Wenn wieder das zählen würde, was sie zu ihrer Berufswahl bewegt hatte. Womöglich würde die gesamte Einrichtung in eine Balance geraten, von der heute Viele nur träumen. Das Ruder hat auch hier der Vorgesetzte in der Hand. Doch finden viele Manager keine greifbaren Maßnahmen. Wie sorge ich für mehr Zufriedenheit in meinem Team? Wie kann ich gegen ein knappes Budget und Überstunden wirken, gegen zu viele Aufgaben und schwierige Arbeitszeiten?

Mitarbeiterzufriedenheit als Priorität

Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zählt neben der Arbeitsorganisation und Budgetkalkulationen zu den herausforderndsten Aufgaben von Führungskräften. Im Grunde genommen beeinflusst die Mitarbeiterzufriedenheit jedoch sogar alle weiteren Zuständigkeitsbereiche direkt. Fluktuation und Gehaltsvorstellungen haben einen Einfluss auf das Budget, Effizienz und Ausfälle auf die Arbeitsorganisation. Auch kann eine grundlegende Zufriedenheit der Mitarbeitenden gegen den Fachkräftemangel steuern, einem der aktuell größten Probleme der Branche. Grund genug also, sich als Manager auf das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu konzentrieren.

Stress im Krankenhaus: Auch Manager können nicht zaubern

Es gibt viele Dinge, die auch die beste Führung nicht ändern kann. Gehälter werden meist vorgegeben und der Personalmangel kann ebenfalls nicht von heute auf morgen gelöst werden. Doch ist eines nicht zu missachten: Das ist kein Geheimnis. Fachkräfte wissen, wo ihren Vorgesetzten die Hände gebunden sind, beziehungsweise die Mühlen langsam mahlen, und wo nicht. Meist geht es in der Mitarbeiterzufriedenheit im Ursprung jedoch um viel persönlichere Themen. Es geht um die Unternehmenskultur, um Verständnis und Menschlichkeit.

1) Die Arbeitskultur als Grundlage

Bei einer stressreduzierenden Kultur geht es nicht nur darum, Hierarchien als flach zu betiteln. Es gilt, Raum zu geben und keinen unnötigen Druck zu erzeugen. Da die Arbeit im Krankenhaus ohnehin stressreich ist, sollte zumindest keine Angst vor der Kommunikation mit den Vorgesetzten bestehen. Auch Fehler sollten offen und verständnisvoll besprochen werden können und keine Angst vor weiteren geschürt werden. Eine gute Kommunikation für eine angenehme Unternehmenskultur kann durch offene Sprechstunden mit den Vorgesetzten, in denen die Mitarbeitenden ihre Bedürfnisse und Missstände äußern können, geschaffen werden. Auch regelmäßige Feedbackgespräche (beidseitig), sowie Umfragen zur Zufriedenheit, können Offenheit und Vertrauen fördern. Dies hat nicht nur psychologische Vorteile. Sobald die Kommunikation mit dem Vorgesetzten fließt, können Probleme und Stressoren viel schneller eliminiert und Kündigungen vorgebeugt werden.

2) Stressmanagement durch Anerkennung

Ein weiterer Stressfaktor in Kliniken tritt in Bezug auf die Arbeitszeiten und Aufgabenbereiche auf. Zum einen können Fachkräfte nur selten an der Schichtplanung teilnehmen, zum anderen wird von ihnen erwartet, dass sie Aufgaben erledigen, die nicht in ihrem Aufgabenbereich liegen. Es fehlt ihnen somit an Zeit für ihre zentralen Aufgaben, auch wenn sie gutes Zeitmanagement im Krankenhaus betreiben. Sollte eine Führungskraft von der Situation wissen, sie jedoch nicht ändern können, kann der Ausdruck von Wertschätzung und Anerkennung der Extra-Arbeit immerhin Frust auffangen. Dies kann in Form eines persönlichen Gesprächs geschehen. Die Führungskraft kann außerdem den Raum zu einer monatlichen Dankesrunde schaffen, in der jeder jedem danken und ihn wertschätzen kann. Die fehlende Mitsprache in der Schichtplanung kann zudem mittlerweile leicht durch digitale Tools reguliert werden. Hier können Mitarbeitende durch eine App bevorzugte Zeiten angeben und Schichten auch untereinander tauschen, ohne dass eine ganze Excel-Liste dabei zu Brüchen geht. Eine wichtige Maßnahme für das Stressmanagement im Krankenhaus, die eine Work-Life-Balance fördert und hinzukommend gesunde Transparenz schafft.

3) Einen gesunden Lebensstil fördern

Sport hilft bekanntlich gegen Stress. Doch ist die Hürde für die Anmeldung im teuren Fitnessstudio oder beim ersehnten Yoga-Kurs nach den harten Arbeitsstunden meist zu hoch. Aufgrund der Wichtigkeit von Bewegung als Stressmanagement-Maßnahme im Krankenhaus sollte jedoch darüber nachgedacht werden, zu den Kosten beizusteuern. Somit kann ein starker Anreiz geschaffen werden. Um vor allem in schwierigen Momenten einmal durchatmen zu können, bietet sich ein Ruhe-Raum nur für das Fachpersonal an. Hier können eine angenehme Einrichtung und Meditationskissen Raum zum Durchatmen bieten.

Auch eine gesunde Ernährung kann eine stressreduzierende Wirkung haben. Obst, Gemüse und ausreichend Wasser sollten daher vom Arbeitgeber bereitgestellt sein. Zum Trinken anregen kann beispielsweise eine Wasserflasche mit Einrichtungs-Logo. Aufgrund der hohen körperlichen Belastung durch die Schichtarbeit und zusätzlich in der Pflege durch Waschen, Umbetten, oder Betten Schieben, sollte auch über Massagen nachgedacht werden. Kann der Betrieb diese nicht selbst bezahlen (und steuerlich absetzen), können Partnerschaften mit Massagestudios und Mitarbeiter-Rabatte ein guter Anfang sein.

4) Kommunikation in Stresssituationen

In stressreichen Situationen ist es schwieriger, die steife Oberlippe zu behalten und einfühlsame Worte zu finden. Dabei sind Resilienz und Empathie in Gesundheitsberufen besonders wichtig. Der hohe Leistungsdruck und geforderte ad hoc Reaktionen machen eine Kommunikation im Krankenhausbetrieb nicht einfach. Um im Team etwaigen Verstimmungen entgegenzuwirken, sollten die Kollegen die Möglichkeit bekommen, sich auszutauschen. Ein wöchentliches Check-in kann da viel bewirken. Mitarbeitende können sich in einer morgendlichen Runde von ihrem Wochenende erzählen oder mit 3 Adjektiven beschreiben, wie es ihnen gerade geht. Die Kommunikation mit gereizten Patienten kann ebenfalls eine Herausforderung darstellen. Hier sollte der Vorgesetzte mit unterstützenden Schulungen für eine gelungene Kommunikation, beziehungsweise die Gewaltprävention, unterstützen.

Was, wenn niemand das Angebot nutzt?

Alle Maßnahmen für das Stressmanagement im Krankenhaus haben einen stark symbolischen Wert. Der Vorgesetzte zeigt mit seinem Engagement Verständnis und lässt seine Angestellten mit ihren Stressoren nicht alleine. Wer es schafft, die Kultur in seiner Einrichtung nachhaltig zu mehr Offenheit und gegenseitiger Unterstützung zu führen, wird langfristig Mitarbeitende halten und neue Talente anziehen können. Denn in einer Branche, bei der das Menschliche an erster Stelle steht, ist eine Führung mit ebendieser Haltung von besonders großem Wert.