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CIRS – Critical Incident Reporting System – Ein wichtiges Thema

Wer kennt die Situation nicht? – Ein ängstliches Kind liegt im MRT (Magnetresonanztomo-graphen) und eine Begleitperson ist zur Unterstützung dabei. Die Begleitperson verlässt den Scannerraum nochmal, um etwas aus der Kabine zu holen. Obwohl sie im Vorfeld über die Gefahren aufgeklärt wurde, wird ein Handy mit der Bemerkung aus der Tasche geholt: „Kann ich schnell ein Foto machen?“. Diese Situation kann zu einem ernsthaften Problem werden. An dieser Stelle kommt CIRS ins Spiel. Jochen Massmann Geschäftsführer des Full-Service-Anbieter für die Gesundheits- und Sozialbranche von webtvcampus spricht als Experte in Sachen CIRS.

Frage 1:

Können Sie unseren Leser:innen webtvcampus kurz vorstellen?

 

Vor rund 15 Jahren ist webtvcampus entstanden. Zuvor waren wir eine reine Filmproduktionsfirma. Der Grund für die Gründung von webtvcampus waren Anfragen aus dem klinischen Bereich. Unter anderem war damals die Umsetzung von Hygienefortbildungen ein wichtiges Thema. Die Frage an uns war, wie man so etwas rechtssicher und gleichzeitig attraktiv für Mitarbeitende gestalten kann. Im ersten Schritt haben wir nur über eine Videoproduktion nachgedacht. Es wurde jedoch schnell klar, dass eine eigene Plattform nur für Gesundheitseinrichtungen, die allen Besonderheiten gerecht wird, von Nöten ist. So ist ein Serviceangebot entstanden, zu dem zeitnah Arbeitssicherheitskurse, Brandschutzkurse, Strahlenschutzkurse und schließlich CIRS Kurse dazu gekommen sind.

Frage 2:

Das Critical Incident Reporting System CIRS ist ein aktuelles Thema.

 

Im Buch „CIRS als Werkzeug des Qualitätsmanagements- und Risikomanagements im deutschen Versorgungssystem” habe ich folgende Definition gelesen. „Das Critical Incident Reporting System (CIRS) ist ein Werkzeug des Qualitäts- und Risikomanagements mit dem kritische Ereignisse dokumentiert und analysiert werden, um aus entstandenen Fehlern und Fehlhandlungen für die Zukunft zu lernen und Verbesserungsmaßnahmen innerhalb der Arbeitsprozesse und -abläufe zu etablieren.“

Frage 3:

Würden Sie CIRS selbst auch so beschreiben?

 

Ja, das ist absolut korrekt, denn CIRS ist nichts Neues. Das gibt es schon lange in vielen Bereichen der Wirtschaft, wie beispielsweise im Luftverkehr. Wenn an einem Flugzeug ein Triebwerk nicht richtig arbeitet, reicht es nicht, es zu reparieren. Man muss nach dem Grund suchen, damit ein sicherer Flugverkehr gewährleistet werden kann. Dieses System wurde daher an viele Bereiche angepasst, so auch an das Gesundheitswesen. Es geht nicht darum, einen Schaden zu diskutieren, sondern ihn überhaupt zu vermeiden und eine Fehlerkultur einzuführen.

Frage 4:

Seit wann ist CIRS ein Teil des Qualitätsmanagements und sind Gesundheits­einrichtungen dazu verpflichtet, dies zu betreiben?

 

Das Critical Incident Reporting System ist seit 2014 in Deutschland als verpflichtendes Fehlermeldesystem im Krankenhaus implementiert und somit ein wichtiger und aktiver Beitrag zur Patientensicherheit. Für das Gesundheitswesen ist dies gesetzlich vorgeschrieben. Dabei gilt ein Berichterstattungstool als wichtiger Baustein für jedes funktionierende Qualitätsmanagement. CIRS ist daher seit Jahren ein fester Bestandteil des Qualitätsmanagements im Gesundheitswesen, wobei Mitarbeiterschulungen allerdings nicht verpflichtend sind. Sie sind jedoch ein wichtiges Instrument, um den Mitarbeitenden die Wichtigkeit des Systems aufzuzeigen. CIRS will gelebt werden. Nur so kann es funktionieren.

Frage 5:

Spielt CIRS in radiologischen Bereichen eine besondere Rolle? Hier wird mit hochtechnologischen Geräten gearbeitet, die Gefahren bereithalten können.

 

Mein Spruch lautet: „Mach mit und werde CIRS’ler:in“. Dabei muss die eigene Aufmerksamkeit ausgeweitet wer-den. So beginnt das CIRS Bewusstsein bereits morgens beim Betreten der Einrichtung, denn Gefahrenquellen gibt es überall. An diesen nicht vorbeizugehen, sondern hinzuschauen und mögliche Gefahren zu erkennen und zu melden. Das geschieht immer anonym, was die Mitarbeitenden wissen sollten, denn es nimmt ihnen eventuelle Hemmungen einen Beinahe-Schaden zu melden. In radiologischen Bereichen gibt es dabei jede Menge Gefahrenpotential, deshalb ist es wichtig, die Mitarbeitenden für das Thema CIRS zu sensibilisieren. Der richtige Umgang mit Medizinprodukten, Gefahren-quellen und Patient:innen stehen immer im Fokus und sind Garant für Patientensicherheit und Arbeitsschutz für Mitarbeitende.

Frage 6:

Gibt es bereichsspezifische Schulungskonzepte?

 

CIRS ist ein generalistisches Thema. Jeder Mitarbeitende einer Einrichtung, egal in welchem Bereich er
tätig ist, sollte den Blick für eine Fehlerkultur entwickeln und leben. Dafür sind Schulungskonzepte wichtig und sollten möglichst attraktiv gestaltet werden. webtvcampus stellt ein Gesamtkonzept bereit, in dem Arbeitssicherheit, Brandschutz, Hygiene und auch CIRS als E-Learning Module angeboten werden. Dabei arbeiten wir in unseren Kursen möglichst realitätsnah, in dem z.B. Mitarbeitende virtuell ein Krankenhaus durch-laufen und auf ihrem Weg viele praxisnahe Beispiele erleben.

Diese Online Kurse haben dabei den Vorteil,dass man sie jederzeit ansehen kann und gleichzeitig viele Mitarbeitende erreicht werden. Im Gegensatz dazu ist eine Teilnahme an Präsenzveranstaltungen oftmals nicht einfach, so dass für ein Krankenhaus mehrere Termine eingeplant werden müssen. Nach den Schulungen erreichen uns viele positive Rückmeldungen und im Anschluss wird CIRS in diesen Häusern intensiver gelebt.

 

Das ist unser Ziel.